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5 Dinge die ich gern vor dem Spielzeugverkauf gewusst hätte.

Mit der Geburt eines Kindes haben in meinem Umfeld viele Mamas, so wie auch ich, mit dem Häkeln oder Nähen begonnen. Und so wird oft neben dem Kind auch die Idee geboren süße Häkelspielsachen oder auch Holz-, Filz- oder Nähspielsachen nicht nur für das eigene Kind, sondern auch für andere Kinder herzustellen. Kein Wunder, denn nicht nur du, sondern auch die anderen Mamas in der Kinderspielgruppe sind von deinen Sachen begeistert. Und mal ehrlich, 40 Plüschtiere fürs eigene Kind - irgendwann rollt der Partner (oder das Kind) die Augen.

So ging es auch mir. Und so startet man gleich mit viel Elan und Ideen und einer extra Portion Liebe in das Abenteuer Kinderspielzeug. Heute möchte ich meine AHA-Momente mit dir teilen und dir vielleicht den ein oder anderen Umweg auf deinem Weg zum Spielzeugverkauf ersparen :) 

 

Alle gesetzten Links auf dieser Seite sind unbezahlte Werbung. Ich verdiene damit nichts und möchte euch einfach nur Tipps geben.

 

1 - Du brauchst einen Gewerbeschein.

 Ich muss zugeben, gleich beim 1. der fünf Punkte, die du wissen solltest, hab ich schon geflunkert. Denn da ich seit 2012 rein selbstständig arbeite, konnte ich diesen Punkt als erledigt abhaken. Da aber die meisten aus einem Angestelltenverhältnis kommen, will ich diesen Punkt gleich zu erst aufführen.

Um ein Produkt zu verkaufen, ständig und andauernd, musst du ein Gewerbe anmelden. Das kann je nachdem in welchem Land du wohnst, aber auch manchmal selbst im gleichen Staat von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt sein. Du kannst dazu bei der Wirtschaftskammer (Österreich) anrufen und dich beraten lassen. 

 

Und du musst dich auch versichern. In Österreich bei der SVG.  Die monatliche Geringfügigkeitsgrenze beträgt für das Jahr 2021: 475,86 Euro. (Auskunft: https://www.oesterreich.gv.at/themen/arbeit_und_pension/pension/1/Seite.270110.html) Wenn du diesen Betrag nicht überschreitest, musst du dich nach meinem Wissen nur Unfall versichern. Darüber hinaus gilt die vollständige Pflichtversicherung. 

 

Also Anmeldung bei der Wirtschaftskammer und bei der Sozialversicherung machen.

2 - Du solltest deinen preis kennen.

Cool, also ich kann meine Produkte verkaufen! Hmmm, aber wieviel kann ich verlangen, wie viel wird mir für mein Produkt gezahlt werden? Also orientiert man sich ein bisschen an den Preisen Dritter im Internet. Mir stellt es mittlerweile die Zehennägel auf, wenn ich mir Preise von Spielsachen auf Etsy und Co ansehe. Und es ist frustrierend. Ein süßer Häkelbär, 40cm groß, um 20€.

Wie soll ich da mithalten? Wie kann die Verkäuferin davon leben? - Gar nicht. Sie macht es vermutlich abends "nebenbei" beim Fernsehen aus Langeweile. Abgesehen von den Materialkosten und der Arbeitszeit, musst du in deinen Preis aber auch noch die Sozialversicherung und die Kammerumlage von Punkt 1 hinzurechnen. Dann folgt noch die Verpackung, vermutlich legst du auch noch ein kleines Dankeschön deiner Bestellung bei.  Und da sind  jetzt noch nicht einmal Dinge wie eine  Produkthaftpflichtsversicherung, Strom, Verpackungslizenz oder die Lizenz um nach der Anleitung zu Fertigen mit einkalkuliert.

Ahja, und vielleicht willst du auch noch einen Gewinn. Ha ha.

Und während die gute Berta um 20€ ihre Teddys verkauft, merkt sie gar nicht, dass sie den Leuten eigentlich die Produkte schenkt.

Der Punkt ist ziemlich bitter. Und man kann sich stundenlang ärgern.  Weil es so viele gibt, die Handarbeit unter Wert verkaufen, und naja, in unserer heutigen schnelllebigen Wegwerfgesellschaft ist es deshalb nicht unbedingt leichter Spielzeug zu einem wertigem und fairen Preis zu verkaufen. Aber nur so funktioniert es, oder du wirst schnell frustriert sein.

Mir hat da einfach auch geholfen, daran zu denken, lieber weniger zu häkeln und auf Nachfrage zu häkeln, und dafür angemessen entlohnt zu werden. Andernfalls fokussiere ich mich einfach auf Projekte mit denen ich in dieser Zeit Geld verdienen kann.

 

Zum Thema" Preise kalkulieren" möchte ich dir Simone Neier empfehlen: https://simoneneier.at/ , bei der ich selber einen Workshop zum Thema Preise kalkulieren belegt habe. 

3 - Eigne dir Wissen über deine Verkaufskanäle an, wenn du online verkaufst.

 

Im Frühjahr 2021 habe ich den Instagram Account "Deinhandmadebusiness" von Cécile entdeckt und wow, sie hat sich ganz schön viel Wissen angeeignet. Ich bin dieses Jahr ein Riesenfan von Online Kursen geworden, um mich selbst ein wenig einzulesen und dazu zu lernen und hab mir dann bei ihr auch den Pinterest Kurs geleistet.

Abgesehen von ihren witzigen Storys und Reels, teilt sie ihr wissen, wie man seinen Webauftritt optimiert und dann im Internet auch gefunden wird.  Sie bietet verschiedene Onlinekurse für Pinterest, Etsy und deine Online Strategie an und ich wünschte, es hätte ihr Angebot schon früher gegeben :D

Außerdem weist sie einen auf wichtige Themen hin:  Von der Verpackungslizenz, Abmahngründen und bis hin zu , warum es manchmal einfach Verkaufsstillstände gibt.

Cécile ist erfolgreich mit ihrem Label "Moonlight Crafts" auf Pinterest und Etsy unterwegs. So erfolgreich, dass mich, ohne es zu wissen, meine Schwägerin mit einem Geschenk von ihrem Shop  überrascht hat - welches sie auf Pinterest entdeckt hat.

Psst, sie hat auch einen Podcast!

 

Link: https://www.instagram.com/deinhandmadebusiness/

4 - Spielzeug darf man nur mit einer ce kennzeichnung verkaufen.

Die ersten Spielsachen sind gefertigt und meine Nachbarschaft und die Freundinnen freuen sich über meine niedliche Arbeit. Und das Beste, es gibt auch noch Geld dafür. WOW. ( Mit oder ohne Preiskalkulation von Punkt 2)

 

Im besten Fall stolperst du jetzt, wie ich  auch, irgendwann schon mal über die "Sache" mit der CE Kennzeichnung. Vielleicht wie ich auf Facebook über die Gruppe "CE Kennzeichen - Mein Häkeltier möchte ein Zeichen setzen".  Vielleicht schreibt dich aber auch ein/e Mitbewerber/in auf Instagram, Facebook oder per Email an und fragt einmal nach.  Uff. wie konnte man das übersehen. Spätestens beim Mustern der Spielsachen deines Kindes siehst du die ganzen CE's ganz deutlich. 

Ich trat also damals dieser Gruppe auf Facebook bei und las einmal stundenlang Postings und merkte , entweder ich versuche mich da rauszuwinden und zu sagen, meine Produkte sind gar kein Spielzeug (Spoiler: Das funktioniert nicht; dazu gibt es genaue EU - Leitlinien, die festhalten, was wann ein Spielzeug ist und was nicht) oder ich sollte meine Tätigkeit mal auf Eis legen.

Das Ding mit der CE Kennzeichnung wirkt wie ein riesiger, bedrohlicher und so gar nicht kuschelweicher Drache und mein kleines Häkelnadel-Schwert wirkt da jetzt wirklich ein bisserl lächerlich, um es mit ihm aufzunehmen.

 

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste ist,  wieviel Zeit und Geld ich in dieses Thema hinein investieren werde, bis ich an mein Ziel komme.

Normen, Gesetze, Prüfabläufe...Aber keine Sorge, Sharing is Carying. Dafür folgt in Kürze noch ein eigener Blog Artikel.

 

 

Link: EU-Leitlinien zur Spielzeugsicherheit & Grauzonen von Produkten. (Fast jede Leitlinie ist beim draufklicken auch auf Deutsch verfügbar).

 

5 - Kaufe nicht zu viel material, bevor du dich mit dem CE-Prozess auseinander gesetzt hast.

Oh ja - aua, dieser Punkt hat besonders weh getan. Mein persönlicher Top-Tipp für dich.

Denn eine der ersten Tatsachen, die ich nach der CE Entdeckung gemacht habe war, dass man nur mit zertifiziertem Materialien arbeiten darf. Und ich sag's dir, es ist zwar schön und gut, wenn du das gesamte Farbsortiment deiner Lieblingswolle zu Haus hast, aber wenn die dann nicht nach der aktuell gültigen Norm Din EN 71-3 geprüft ist, kannst du dir jetzt ganz viele Sockenpaare stricken (um hunderte von Euros).

Das gilt natürlich nicht nur für Wolle, sondern auch für Füllmaterial, aber auch wenn du mit Holz arbeitest für Holz, bei Filz für Filz und so weiter und so fort.

Beschäftige dich mit diesem Thema. Am besten fragst du beim Hersteller direkt nach, ob er dir ein aktuelles Zertifikat nach den gültigen Normen DIn EN 71-3 schicken kann. Wenn er es dir schickt, kennt er sich aus und hat sich damit befasst. Wenn er es dir nicht schickt oder sagt, dass sein Produkt eh Ökotex100 Klasse 1 getestet ist und ausreicht, stimmt das so leider nicht. Du kannst dieses Material zur Fertigung dann nicht unbedingt verwenden. Insbesondere wenn direkter Hautkontakt besteht. Ökotex100 Klasse 1  ist zwar auf  Speichelechtheit geprüft, aber auf Magensäureechtheit sind nur Materialien getestet, die ein Zertifikat zur Einhaltung nach DIN EN  71-3 (hinten gestellt, die aktuelle Normenversion) besitzen.

Zudem müssen auch die Grenzwerte von REACH Anhang XVII eingehalten werden.

 

Link: Was ist REACH? 

Link: Amtsblatt: Aktuell gültige Normen für die Herstellung von Spielzeug. Aktuell DIN EN 71:3:2019 (Stand September 2021, es folgt bald eine Neuauflage).

Wenn du also am Anfang stehst, hoffe ich, du konntest hier ein bisschen was mitnehmen, um ein paar Punkte zu überspringen in deiner Fertigung :)

Kleiner Tipp am Rande: Dies gilt natürlich nicht nur für Spielzeug. Auch wenn du kein Spielzeug produzierst, sondern ein anderes Produkt erstellst und verkaufst, gibt es dafür ein Produktsicherheitsgesetz und dein Produkt muss diese Anforderungen erfüllen :)

 

LINK: Produktsicherheitsgesetz Österreich

Verlinkungen und Auskünfte sind nach besten Wissen und Gewissen geprüft. Ich bin jedoch kein Fachexperte, sondern teile mein persönliches Wissen. Angaben ohne Gewähr.

(Stand: Herbst 2021)